LV Sachsen Aktuell

Johanniskraut vertreibt die bösen Geister

in Gartenfachberatung 18. Mai 2021

Altes Gartenwissen und Gärtnerweisheiten

Die verschiedenen Arten des Johanniskrauts machen sich nicht nur im Steingarten gut, sondern sie dienen vielfach als Bodendecker. Foto: ELZA/Pixelio

2 Min. Lesedauer

Von Erik Behrens, Gartenfachberater - Zertifizierter Pflanzendoktor

Bräuche zum Johannisfest

An Janis-Abend (23. Juni) gehen die Mädchen von Haus zu Haus. Hausfrau und Hausherr bewirten die Gäste bei einem traditionellen Gastmahl. Alle tanzen und singen viel. Sie singen von der Sonne, der Natur, den Feldern und dem Vieh. In der Janis-Nacht darf man nicht schlafen, nur tanzen und feiern – bis die Sonne wieder aufgeht. So wird nach einem alten Volksglauben das Mittsommerfest in Lettland gefeiert.

Auch in Deutschland erinnert man sich gern an die Johannisfeste – und feiert sie hier und da heute noch oder wieder. Wichtig ist dabei das Sonnenwendfeuer, in das man Johanniskräuter wirft, um die bösen Geister zu vertreiben. Die Mädchen schauen durch einen Kranz aus Johanniskräutern in das rauchende Feuer. Aus dem, was sie dabei sehen, orakeln sie, wer ihr Liebster sein wird.

Wenn die Mädchen ihren künftigen Bräutigam im Traum sehen wollen, müssen sie in der Mittsommernacht unter striktem Schweigen sieben oder neun verschiedene Blumen pflücken. Sie binden sie zu einem Sträußchen und legen dieses später unter ihr Kopfkissen.

Als Mittsommerkräuter wurden Heilpflanzen benutzt, die zu dieser Zeit blühen, z.B. das Tüpfeljohanniskraut.

Hält man seine Blättchen gegen das Licht, dann sehen sie aus, als wären sie von zahlreichen Nadelstichen durchlöchert. Das soll der Teufel getan haben, weil er sich über die Pflanze so sehr geärgert hat. Die Blütenknospen enthalten ein Öl, das sich an der Luft rot färbt. Junge Mädchen zerquetschen die Knospen im Taschentuch. Sie dachten dabei an den Liebsten, und aus dem austretenden Saft schlossen sie: „Kommt rotes Blut, so ist die Liebe gut.“ War der Saft farblos, stand es um die Liebe schlecht. Oder die Mädchen drückten so viele Blüten aus, wie sie Verehrer hatten, und dachten dabei jedes Mal an einen anderen. Nur wenn der Saft rot war, bedeutet das Liebe: „Kräutlein, Kräutlein, sag es mir, welcher Schatz gehöret mir?“

Bei einem anderen Brauch verfuhren die Mädels so: Sie brachen am Johannistag zwei Stängel Johanniskraut ab, einen längeren, der ihren Schatz darstellen sollte, und einen kürzeren für sich selbst. Beide steckten sie schweigend nebeneinander mit der Spitze nach unten gerichtet in eine Spalte am Dachbalken. Da nun das Johanniskraut noch ein wenig weiter wächst, entstehen eigenartige Krümmungen an den Stängeln. Verschlingen sie sich miteinander, dann wird die Liebe in Erfüllung gehen. Entfernen sie sich voneinander, dann gibt es keine Hoffnung. Daher hat diese Pflanze so volkstümliche Namen wie Liebeskraut. Liebesblümchen, Namenskraut, Bräutigamskraut oder Schätzleinkraut.

Mittsommernacht: Faszinierende Sonnenwende

In das Mittsommerfeuer werden traditionell Johanniskräuter geworfen, um die bösen Geister zu vertreiben. Foto: Dirk Bliemeister/Pixelio

Das Tüpfeljohanniskraut (Hypericum perforatum) ist eine 40 bis 60 cm hohe ausdauernde Pflanze mit weit verzweigtem Wurzelstock und aufrechten, meist zwei kantigen Stängeln. Die Blätter sind rundlich bis länglich oval, stumpf ansitzend und wie bei vielen Johanniskrautarten durch Öldrüsen durchscheinend punktiert.

Der Blütenstand ist eine vielblütige Trugdolde (Doldenrispe). Die gelben Blüten erscheinen von Juni bis September. Die Pflanze gehört zu den Hartheugewächsen und ist eine Arzneipflanze. Verbreitet sind die Hartheugewächse in Laubwäldern, Heiden, Gebüschen und auf Bergwiesen. In Gärten ist das liegende Hartheu (Hypericum humifusum) als Bodendecker verbreitet anzutreffen. Es wird nur 5 bis maximal 20 cm hoch. Das Rauhaarige Hartheu (Hypericum hirsutum) ist zottig behaart und wird 40 bis 100 cm hoch. Das Kantenhartheu (Hypericum maculatum) hat vier kantige Stängel und wird 20 bis 60 cm hoch.

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