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Der Duft des Veilchens betörte einige Götter und sogar Napoleon Bonaparte

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An Gehölzrändern und an lichten schattigen Orten findet man im März und April das gutriechende Duftveilchen, auch Viola odorata genannt. Laut der griechischen Mythologie war die Namensgeberin eine schöne Tochter des Titanen Atlas. Ihre Schönheit fiel auch dem Sonnengott Helios auf, der sie mit seinen Strahlen verfolgte. In ihrer Not bat sie Zeus um Hilfe, der sie daraufhin in ein Veilchen verwandelte.

Seitdem wächst dieses an schattigen Orten im Wald und ist dort vor den Strahlen des Helios sicher. Wer auf der Suche nach der Pflanze mit den leuchtend violetten Blüten und dem süßen Duft ist, wird heute noch an Waldrändern und in leicht schattigen Gebüschen fündig. Auch im Garten sollte man darauf achten, das Duft veilchen nicht zu sonnig zu pflanzen. Es eignet sich hier vor allem als Bodendecker unter Rosen oder zwischen nicht zu eng stehenden Büschen und Sträuchern. Denn mit einer Wuchshöhe von 5 bis 15 Zentimeter wächst das Duftveilchen nicht allzu hoch und verschönert so Stellen, die für höher wachsende Pflanzen ungeeignet sind. Durch die sich nach und nach ausbreitenden Ausläufer begrünt es ganz automatisch in kurzer Zeit selbst größere Flächen.

Um sie vor Helios zu schützen, verwandelte Zeus ein schönes Mädchen in das Veilchen. Foto: Barbara Thomas/pixelio.de

Rohstoff für die Parfümerie

Das Duftveilchen ist immergrün und voll winterhart, übersteht also auch die kalte Jahreszeit. Charakteristisch sind die nierenbis eiförmigen großen Blätter und die fünfblättrigen dunkelvioletten Blüten, die markant süß duft en und den ty pischen Veilchen duft verströmen. Dieser ist ein wichtiger Rohstoff in der Parfümerie und wird durch die von den Terpenen abgeleiteten Jononen (auch Ionone genannt) gebildet. Der Name soll auf die Nymphe Io zurückgehen, auf die Zeus ein Auge geworfen hatte. Um sie vor seiner eifersüchtigen Ehefrau Hera zu schützen, verwandelte der griechische Göttervater die schöne Nymphe in eine Kuh und ließ ihrer Schönheit zu Ehren eine Wiese voller Veilchen erblühen.

Der betörende Duft des Veilchens soll in der römischen Mythologie wiederum dem Gott Vulkan Glück gebracht haben. Obwohl mit keinem guten Aussehen gesegnet, soll er mit seinem Parfüm aus Veilchen die schöne Liebesgöttin Venus dazu gebracht haben, ihn zu küssen.

Verwendung in der Volksmedizin

Neben Jonon enthalten die Veilchenblüten zahlreiche ätherische Öle wie Parmon sowie Schleimstoffe, Alkaloide, Gerbstoffe, Cumarine und Flavonoide. Schon Hippokrates verwendete das Duftveilchen gegen Ekzeme, Sehstörungen, Melancholie und Kopfschmerzen. Auch heute noch soll Veilchenöl wohltuend bei Hauterkrankungen und Ekzemen wirken. Veilchenessig wiederum soll als Einreibung an den Schläfen bei Kopfschmerzen helfen. Als Tee zubereitet, kommt das Veilchen innerlich bei Erkältungen und Husten zum Einsatz und soll hier vor allem durch die Schleimstoffe und ätherischen Öle schnell Linderung verschaffen. Die schweißtreibende Wirkung soll zudem bei Fieber hilfreich sein.

Die oft beim Zahnen für Kinder genutzte Veilchenwurzel ist hingegen gar kein Veilchen, sondern die Wurzel der deutschen Schwertlilie. Doch auch wenn der Name irreführend ist, hat sich die Wurzel als Mittel gegen leichte Schmerzen bewährt und wird weiterhin unter dem Namen Veilchenwurzel verkauft.

(1) Als niedriger Bodendecker begrünt das Veilchen nach und nach auch größere Flächen. (2) Die charakteristischen dunkelvioletten Blüten sind vor allem bei der Parfümherstellung beliebt. Fotos: Foto: M. Großmann, Uschi Dreiucker beide pixelio.de

Neueste Studien zeigen, dass sich Veilchenextrakte positiv auf den Schlaf auswirken können und in Zukunft stärker bei Schlafproblemen zum Einsatz kommen könnten. Auch ein Einfluss auf die Blutfette und die Erweiterung der Blutgefäße wurde bereits nachgewiesen. Ebenso ein positiver Effekt auf die Auswirkungen von Asthma Bronchiale. Doch wie immer gilt: Gesichert sind diese Wirkungen nicht. Ziehen Sie bei anhaltenden oder zunehmenden Beschwerden immer einen Arzt zu Rate. Das gilt auch für die angenommenen Wirkungen gegen Krebs, Rheuma und Morbus Crohn. Eine Therapie mit Veilchenprodukten ersetzt hier keine adäquate medizinische Versorgung.

Lieblingsblume von Napoleon

Eine besondere Verbindung soll es zwischen dem Veilchen und Napoleon Bonaparte gegeben haben. Dessen große Liebe Josephine habe ihm am Abend ihres Kennenlernens einen Veilchenstrauß zugeworfen. Seitdem seien die zarten Blüten die Lieblingsblume des Feldherrn und Kaisers gewesen. Nach dessen Verbannung nach Elba sollen seine Anhänger das Veilchen und dessen violette Farbe zudem zu ihrem Erkennungszeichen gemacht haben. Und Napoleon? Der schwor angeblich, dass er mit den Veilchen nach Paris zurückkehren werde. Nach seinem Tod auf Sankt Helena habe man auf seiner Brust eine kleine goldene Kapsel gefunden. Ihr Inhalt: Zwei getrocknete Veilchenblüten.

Achtung: Der Anbau von Kräutern und Heilpflanzen zählt nur in geringem Maß zur kleingärtnerischen Nutzung gemäß der sächsischen Rahmenkleingartenordnung. Vorrang sollten immer Obst- und Gemüsepflanzen haben.

Steckbrief: Veilchen

  • Name: : Viola odorata, auch Wohlriechendes Veilchen oder Märzveilchen.
  • Familie: Veilchengewächse (Violaceae).
  • Verbreitung: Ursprünglich aus dem Mittelmeerraum, heute in ganz Europa, Nordafrika, Westasien und Indien verbreitet.
  • Standort: Lichte schattige Wegränder, unter nicht zu dichten Sträuchern und Büschen, an halbschattigen Waldrändern.
  • Aussehen: Krautige Pflanze mit Rhizomen, breite nieren- bis eiförmige Blätter mit dichten Kerben, charakteristische fünfblättrige violette Blüten mit süßem Duft.
  • Essbarkeit: Alle Pflanzenteile sind essbar und ungiftig, verwendet werden in der Regel die Blüten und Blätter.
  • Verwendung: Heil- und Duftpflanze; als Tee, Essig, Sirup und Umschlag; als Salatzugabe, in Desserts und Hauptgerichten auch in der Küche verwendbar.
  • Wirkung: Schleimlösend, schmerzlindernd, beruhigend, schweißtreibend, antibakteriell, abschwellend.
  • Anwendung: Als Tee bei Husten, Erkältung und Fieber; als Öl bei Ekzemen und Hauterkrankungen; als Essig bei Kopfschmerzen; bei Schlafproblemen.
  • Darreichung: Frisch oder getrocknet als Tee oder Aufguss; als Öl oder Essig zur äußeren Anwendung.

Unsere Rezeptecke:

Veilchen-Tee
1 gehäuften Teelöffel getrocknete Veilchenblüten mit 150 ml kochendem Wasser übergießen und abgedeckt etwa 10 Minuten ziehen lassen. Blüten anschließend durch ein Sieb abseihen und auf Wunsch etwas süßen. Bis zu zweimal täglich in kleinen Schlucken trinken. Alternativ können auch 2 Teelöffel Veilchenkraut mit 250 ml kochendem Wasser aufgegossen werden. Ebenfalls etwa 10 Minuten abgedeckt ziehen lassen und danach bis zu zweimal am Tag eine Tasse trinken. Der Aufguss kann auch äußerlich auf der Haut angewendet werden.

Veilchen-Essig
1 Handvoll frische Veilchenblüten in eine Flasche geben und mit Weinessig auf füllen, bis alle Pflanzenteile vollständig bedeckt sind. Die Mischung zwei Wochen lang an einem warmen dunklen Ort ziehen lassen und anschließend die Blüten abseihen. Äußerlich angewendet soll der Veilchenessig gegen Kopfschmerzen helfen, kann aber auch in der Küche verwendet werden.

Veilchen-Öl
1 Handvoll frische Veilchenblüten in ein Schraubglas füllen und mit einem hochwertigen Pflanzenöl auffüllen. Es müssen alle Pflanzenteile gut bedeckt sein. Anschließend das Glas verschließen und die Mischung zwei Wochen an einem warmen dunklen Ort ziehen lassen. Dann die Blüten abseihen und das Öl äußerlich als Pflege bei Hauterkrankungen oder als generelle Hautpflege anwenden.

Carmen Kraneis
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