LV Sachsen Aktuell

Konkurrenzkampf unter Pflanzen

in Artenvielfalt 29. November 2021
2 Min. Lesedauer

Von Tommy Brumm, Natur- und Gartenzentrum Westsachsen der Schreberjugend

Artenvielfalt im Kleingarten

(1) Reispflanzen konkurrieren mit den Vertretern einer anderen Pflanzenart um jeden Zentimeter Mutterboden, andere Reispflanzen lassen sie jedoch als Nachbarn ungestört wachsen. (2) Das dichte Gestrüpp von Brombeersträuchern lässt kaum Licht hindurch und verringert so die Möglichkeit, dass andere Pflanzen keimen oder gar wachsen können. Fotos: Dieter Schütz/Pixelio, majo1122331/123rf

Konkurrenzkampf um Lebensraum, Licht und Nährstoffe

Das Grün im Garten wirkt so friedlich und wächst langsam vor sich hin. Ein enormer Trugschluss, denn es herrscht ein ständiges Konkurrieren um Lebensraum, Licht und Nährstoffe! Dabei unterscheiden Pflanzen sehr deutlich zwischen Freund und Feind, aber auch zwischen den eigenen Nachkommen und Verwandten. Pflanzen können ihren eigenen Standort nur schwerlich aussuchen, so streuen sie ihre Samen so weitflächig wie nur möglich, damit wenigstens einige Nachkommen einen optimalen Standort erreichen.

Es gibt aber auch andere Möglichkeiten, den einmal erreichten Standort zu verteidigen und zu halten – man wächst schneller als die Konkurrenz und breitet sich über Rhizome am Standort aus. Einem längeren Lichtentzug haben die konkurrierenden Pflanzen nichts entgegenzusetzen. Gehen die Konkurrenzpflanzen dann ein, geben sie ihre Nährstoffe durch die Verrottung wieder frei. Dies praktiziert zum Beispiel die wilde Brombeere.

Mit seiner biochemischen Abwehr bekämpft der Walnussbaum Konkurrenzpflanzen in seinem unmittelbaren Umfeld und lässt kaum mehr als Rasen wachsen. Foto: ps

Der Walnussbaum bekämpft Konkurrenzpflanzen mit einer bio chemischen Abwehr aus seinem direkten Umfeld. Walnussbäume geben den Hemmstoff Zimtsäure bei Regen über ihre Blätter ab. Dies verhindert, dass höhere konkurrierende Pflanzen in ihrem direkten Einzugsbereich gedeihen können. Diese Art der biochemischen Abwehr wird als Allelopathie bezeichnet. Aber dies ist noch längst nicht alles, was die Walnussbäume zu bieten haben: In ihren Blättern und deren Stängeln wird ein Glucosid gebildet, welches sich nach dem Laubfall im Herbst am Boden in ein Juglon umwandelt. Das Juglon hemmt die Fähigkeit konkurrierender Pflanzen zu keimen. Und sollten sie dennoch gekeimt haben, unterbindet es deren Wachstum. Das sehr langsam verrottende Laub des Walnussbaums ist besonders reich an Gerbstoffen und wird aus diesem Grund von Insekten gemieden. Landwirte setzen sehr gerne Walnussbäume neben einen Misthaufen, um die Fliegen zu vertreiben.

Pflanzen konkurrieren auch unter der Erdoberfläche

Der Kampf unter der Erdoberfläche wird gleichermaßen geführt wie oberhalb. So fanden chinesische Forscher von der China Agricultural University in Peking heraus, dass Reispflanzen erkennen, ob die Wurzeln nebenan von ihrer Art sind oder nicht. Bei Konkurrenten gehen sie auf Angriff und treten mit dem vermeintlichen Gegner in einen aktiven Kampf um jeden Zentimeter Mutterboden. Bei Nachbarn der gleichen Art lassen sich die Pflanzen gegenseitig in Ruhe und geben dem Nachbarn Raum zum Leben.

Forschungen dieser Art stehen erst noch am Anfang, aber sicher ist, dass nicht jede andere Art als potenzieller Feind eingestuft wird. Sonst wäre eine Mischkultur nicht möglich. Erfahrungen in diese Richtung haben Gärtner in vielen Generationen bereits gesammelt. Wichtig ist, dass wir Gärtner Pflanzen nicht nur als planlos dahinwachsende Kreaturen ansehen, sondern als soziale Wesen, welche miteinander kommunizieren können und auf einer völlig anderen Zeitschiene leben. Deshalb steht die Beobachtung und Reaktion von Pflanzengemeinschaften im Vordergrund, denn dies ist unser Erfahrungsschatz.

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