LV Sachsen Aktuell

Die Natur erwacht

in Artenvielfalt 22. Februar 2021

Artenvielfalt im Kleingarten

Viele Frühblüher wie die Krokusse bieten den ersten Insekten ein üppiges Nahrungsangebot und wehren sich zum Teil mit Giftstoffen dagegen, selbst gefressen zu werden. Bis sich in unseren Obstbäumen Früchte bilden können, muss der Baum Schwerstarbeit leisten, um ausreichend Wasser und Nährstoffe zu transportieren. Fotos: Brumm

2 Min. Lesedauer

Von Tommy Brumm, Natur- und Gartenzentrum Westsachsen der Schreberjugend

Langsam kündigen die ersten Boten den nahenden Frühling an. Die Natur in Mitteleuropa ist auf lange und strenge Winter ausgerichtet, diese bleiben jedoch zunehmend aus. Auch wenn wir in diesem Winter etwas Schnee zu sehen bekamen, ist dies kein Vergleich zu früher. Weniger Schnee bedeutet eine geringere Wassermenge durch die Schneeschmelze – und dies hat Folgen. Der Grundwasserspiegel sinkt ständig weiter.

Dies erschwert den Start der Bäume in das Frühjahr, und dieser ist bereits ein kleines Wunder. Das Wasser, das die Wurzeln aufnehmen, muss zu den Sprossen gelangen, damit diese sich entfalten können. Gleichzeitig werden die benötigten Nährstoffe mittransportiert. Ist dieser Transport einmal in Gang gekommen, wird dieser sozusagen zum Selbstläufer, da durch die Verdunstung der Blätter ein Sogeffekt entsteht. Reicht die aufgenommene Wassermenge nicht aus, so reguliert der Baum dies, indem er Blätter abwirft . Diesen Prozess nennt man Osmose, und er beginnt in den Wurzeln, welche einen Überdruck aufbauen.

Reicht dies allein aus? Wahrscheinlich nicht!

Wissenschaftler der Universität Aarhus in den Niederlanden fanden heraus, dass Bäume einen Puls besitzen. Dieser ist selbstverständlich nicht in einem Bereich, den der Mensch noch wahrnehmen kann. Bei einigen Bäumen konnte festgestellt werden, dass diese im Rhythmus von zwei Stunden ihre Stämme und Äste zusammenziehen. 

Diese Erkenntnis ist sicherlich auch auf die meisten Pflanzen übertragbar. Aber je tiefer das lebensnotwendige Wasser zu finden ist, desto schwerer ist der Start in das Frühjahr.

Die Frühjahrsblüher stecken ihre Köpfe heraus und zeigen uns deutlich – jetzt kommt bald die warme Jahreszeit. Kleinen Wintereinbrüchen trotzen sie ohne Probleme, sie haben lange genug auf ihre Zeit gewartet.

Dabei ist die lange Ruhezeit vom Abblühen im Frühjahr bis zum nächsten Frühjahr nicht ohne Risiken. Schließlich wäre ihre Speicherknolle für viele Tiere eine potenzielle und reichhaltige Nahrung, aber die Natur hat ihre Vorsorge getroffen – mit Gift. Viele Frühjahrsblüher sind so effektiv im Vertreiben von Fressfeinden, dass zum Beispiel Wühlmäuse ihre Nähe meiden, und somit genießt so manche Nachbarpflanze noch ihren Schutz.

Eine weitere Anpassung an eine kurze Vegetationszeit ist ihre Fortpflanzungsstrategie, zum einen setzen die meisten Frühblüher nicht allein auf die Fortpflanzung mittels Samen, zum anderen aber auch auf die Teilung der Speicherknolle. 

Erste Insekten als Frühlingsbote

Die Blüten der Frühjahrsblüher sind in jeder Hinsicht sehr potent und produzieren reichlich Nektar und Pollen – und dies ruft einen weiteren Frühlingsboten auf den Plan: die Hummel.

Hummeln gehörten im Frühjahr zu den ersten Insekten, die unterwegs sind. Die Königinnen fliegen bereits bei Temperaturen ab 2 °C. Foto: Brumm

Die junge Hummelkönigin hat den Winter in einem trockenen Versteck verbracht. Ihr Pelz ist eine gute Isolierung und ermöglicht ihr bereits bei niedrigen Temperaturen zu fliegen. So kann die Königin bereits ab 2 °C fliegen, dies tun die Arbeiterinnen ab 6 °C. Anpassungen wie diese stammen sicher noch aus der jüngsten Eiszeit, in der die warme Jahreszeit sehr kurz war. Mit den steigenden Temperaturen in der Neuzeit könnte sich diese exzellente Anpassung jedoch zum Nachteil entwickeln.

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