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Altersdurchschnitt um über zehn Jahre gesenkt | KGV “Waldfrieden” Freiberg

in Verbände & Vereine 21. Juli 2022

Regionalverband der Gartenfreunde Freiberg e.V.

Von ps

3 Min. Lesedauer

25. Bundeswettbewerb „Gärten im Städtebau“ 2022

Nach den Corona-bedingten Kontaktbeschränkungen in den beiden vergangenen Jahren nimmt das Vereinsleben im KGV „Waldfrieden“ Freiberg 2022 wieder so richtig Fahrt auf. Drei ganz besondere Ereignisse werden den über 250 Vereinsmitgliedern sozusagen einen „heißen Sommer“ bescheren: Am ersten September-Wochenende wollen rund 150 Pächterfamilien, die auf insgesamt 4,3 ha Kleingartenland Obst und Gemüse anbauen, das 75-jährige Bestehen ihrer Kleingartenanlage mit zahlreichen Gästen zünftig feiern. Bereits zwei Wochen zuvor ist der KGV „Waldfrieden“ am 21. August mit seinem Bienengarten einer der Hauptakteure beim 1. Freiberger Gartentag. Den Auftakt für diese kleingärtnerischen „Festspiele“ bildete am 25. Juni der Besuch der Jury im 25. Bundeswettbewerb „Gärten im Städtebau“ beim sächsischen Landessieger des Gartenjahres 2021.

Generationswechsel bei den Pächtern ist im vollen Gange

Neben den Juroren um den Bundesgartenfachberater Thomas Kleinworth konnten Vereinsvorsitzender Sven Halfter und seine Mitstreiter Freibergs Bürgermeister Udo Neie, Bianka Gothe als Vorsitzende des Regionalverbandes und den LSK Präsidenten Tommy Brumm begrüßen. Vor dem Rundgang erläuterte der engagierte Vorstand die aktuelle Situation in seinem Verein, in dem in jüngerer Vergangenheit fast drei Dutzend Gärten von neuen jüngeren Pächtern übernommen worden sind. „Wir stecken in der Anlage mitten im Generationswechsel, weil viele ältere Gartenfreunde ihren Kleingarten jetzt alters- bzw. krankheitsbedingt aufgeben müssen. Dennoch haben wir keine Probleme mit dem Leerstand, denn vor allem junge Familien mit Kindern suchen nicht nur wegen der Corona-Pandemie eine grüne Oase als natürlichen Rückzugsort vom Alltagsstress.

Und ein junger Vorstand zieht off ensichtlich verstärkt jüngere Gartenfreunde mit kreativen Ideen an, sodass wir den Altersdurchschnitt der Gartenpächter von vormals über 70 auf inzwischen unter 60 Jahre verringert haben.“ Und mit den „Neuen“ lassen sich auch einige Ideen besser umsetzen, die zuvor nicht auf fruchtbaren Boden gefallen waren: So wurde in jüngerer Vergangenheit im Zuge der Gartenübergabe ein radikaler Rückschnitt bei den Koniferen vollzogen. Inzwischen gibt es in der Anlage keinen Birnengitterrost mehr, und die Früchte sehen gesünder aus. Mehr noch: Etliche Neupächter freuen sich angesichts der steigenden Preise auch bei Obst und Gemüse über eine größer gewordene Anbaufl äche und mehr Licht in den Gärten, und so mancher hat sogar das durch die Nadelgehölze sauer gewordene Erdreich ausgetauscht.

Die Gestaltung einer Streuobstwiese als Naschgarten vor allem mit alten Apfel- und Birnensorten ist das jüngste Vorhaben der Gartenfreunde vom KGV „Waldfrieden“ Freiberg. Dieses Projekt wird mit Unterstützung des Landes- und des Regionalverbandes umgesetzt. Foto: ps

Wöchentlich „Tag der offenen Tür“ im Bienengarten von Mai – Oktober

Mit berechtigtem Stolz begann der Rundgang im Bienengarten, der auf einem vormals völlig verwilderten Areal angelegt wurde und seit 2020 der neue Anziehungspunkt im „Waldfrieden“ ist. Mit hohem persönlichen Einsatz und der Unterstützung von Fördermitteln haben Vorstand und einige engagierte Gartenfreunde gemeinsam mit Mitarbeitern, Eltern und Kindern vom Kinderschutzbund Freiberg das Areal beräumt, die Gartenlaube zur Nutzung durch einen Imker hergerichtet und ein sehenswertes Biotop geschaffen. Dazu gehört seit Kurzem auch ein Bienen-Schaustand, an dem diese fleißigen Insekten bei ihrer Arbeit in den Waben beobachtet werden können.

(1) Ein neu angelegtes Sandbeet bietet im Bienengarten den Wildkräutern auf der Blühwiese jetzt bessere Wachstumsbedingungen. (2) Mit dieser Schauwabe werden den kleinen und großen Besuchern Einblicke in die Arbeit und das Leben der Bienen ermöglicht. Fotos: ps

Entstanden sind unter anderem ein Insektenhotel als Nist- und Überwinterungshilfe, ein Barfußpfad mit verschiedenen Belegen wie Sand, kleinen Steinen, Stroh, Reisig und Wasserbecken sowie Kräuterbeet, Totholzhaufen und ein Naschgarten für Beerenobst. In diesem Frühjahr wurde der humose Boden der Blühwiese für Wildkräuter gegen nährstoffarmen Sand ausgetauscht, um die Standortbedingungen für die Pflanzen zu verbessern.

Im hinterlassenen Komposthaufen finden nützliche Kleinlebewesen wie Igel, Asseln, Regenwürmer, Insektenlarven und Schnecken Unterschlupf. Hier können die Kinder gemeinsam mit ihren Eltern den Kreislauf der Natur kennen und verstehen lernen. Der Bienengarten wird auch von Kindergärten und Schulen rege genutzt. Der Imker erklärt und zeigt den Gästen, welche Arbeiten er bei der Betreuung seiner Bienenvölker erledigen muss und wie er den süßen Honig gewinnt. Von Mai bis Oktober ist der Bienengarten an jedem Sonnabend beim „Tag der offenen Tür“ zugänglich und kann vielfältig genutzt werden.

Sächsischer Landessieger glänzt mit Engagement und neuen Vorhaben

Die Mädchen und Jungen von der Kindertagesstätte des Kinderschutzbundes Freiberg bewirtschaften ihren eigenen Kleingarten. Foto: ps

Doch das Engagement der Freiberger Gartenfreunde beschränkt sich keineswegs nur auf den Bienengarten. Auf der mit über 400 m2 größten Parzelle, die der Vorpächter aufgegeben hat, verwirklichen die Gartenfreunde derzeit ein weiteres Projekt – gemeinsam mit dem Kinderschutzbund wird unter dem Motto „Gartenland in Kinderhand“ ein Kindergarten-Garten mit Beeten für die Mädchen und Jungen, Naschobst und Kräuterspirale gestaltet. Die Nutzer müssen nur für den Verbrauch an Strom und Wasser aufkommen, alle anderen Kosten wie Pacht oder Mitgliedsbeitrag übernimmt der Verein. Im Gegenzug halfen wiederum Mitarbeiter und Eltern bei der gemeinnützigen Arbeit. Die Mädchen und Jungen wollen im Gegenzug auch an Vereinsveranstaltungen wie der 75-Jahr-Feier mitwirken. Mehrere Gartenmitglieder erklärten sich zur finanziellen Unterstützung und aktiven Mitarbeit an diesem Vorhaben bereit. Bei dieser Zusammenarbeit mehrerer Generationen können Jung und Alt in einem respektvollen Umgang menschlich voneinander profitieren. Zudem sind in der Anlage regelmäßig Spaziergänger aus dem Wohnumfeld unterwegs – Mädchen und Jungen aus Kindertageseinrichtungen ebenso wie Familien und Senioren, nicht nur aus dem „Seniorenheim Johannishof“, die der Wirt der Gaststätte „Waldfrieden“ zum gemütlichen Kaffee trinken einlädt, mit anschließendem Rundgang bzw. einer Ausfahrt im Rollstuhl durch die Anlage. Dabei können sie in dieser Gartensaison weiteres Neues entdecken.

Bislang wurden an den Lichtmasten der Wege insgesamt 25 Nistkästen für verschiedene Vogelarten angebracht – mit entsprechenden Erläuterungen, für welche gefiederten Gartennützlinge welcher Nistkasten in Frage kommt. Hergestellt wurden diese Unterkünfte in der Behindertenwerkstatt der Diakonie, und auch so mancher Pächter hat bereits einen dieser Nistkästen in seinem Garten angebracht, wobei der Verein einen Teil der Anschaffungskosten übernimmt. Am Vereinshaus gibt es einen Überblick über die verschiedenen Nistkastenarten – gleich neben der unlängst eingerichteten Tauschecke für überzählige Gartenfrüchte, nicht mehr benötigte Gartengeräte und Literatur.

(1) Am Vereinsbüro wurde jetzt eine Tauschbörse für überschüssige Gartenfrüchte sowie für Geräte und Literatur eingerichtet. Zudem werden unterschiedliche Nistkästen für die einzelnen Vogelarten gezeigt, die in der Anlage aufgehängt werden können. (2) Der Vereinsvorstand legt allergrößten Wert auf die ordnungsgemäße Nutzung des Pachtlandes und den ausreichenden Anbau von Obst und Gemüse für den Eigenbedarf. Fotos: ps

Unser Hauptaugenmerk gilt der kleingärtnerischen Nutzung

Darüber hinaus haben die Gartenfreunde einen völlig verwilderten Garten entrümpelt, 18 m3 Unrat entsorgt und einen Nasch- bzw. Streuobstgarten vor allem mit alten Apfel und Birnensorten angelegt, der ebenfalls offen für jedermann ist. Finanzielle Förderung erhielt der Verein dafür sowohl vom Regional- als auch vom Landesverband.

„Unsere wichtigste Aufgabe besteht jetzt jedoch darin, all diese Projekte am Laufen zu halten und vor allem den Anbau von Obst und Gemüse in den Kleingärten nicht zu vernachlässigen, um die kleingärtnerische Gemeinnützigkeit nicht zu verlieren“, unterstrich Sven Halfter abschließend. „Schließlich bezahlen wir nur eine sehr geringe Pacht von 8,8 Cent/m2, jedoch ist unser Standort geradezu prädestiniert für einen Eigenheimbau.“ Doch bei den regelmäßigen Gartenbegehungen spricht der Vorstand über den Gartenzaun aufgefallene Missstände an und verpflichtet die Pächter zur Beseitigung – bisher stets mit gutem Erfolg.

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