LV Sachsen Aktuell

Das Kraut mit dem Unkraut

in Artenvielfalt 5. Juni 2020

Artenvielfalt im Kleingarten

Das Zottige Franzosenkraut (l.) und der Hirtentäschel (m.) weisen als sogenannte Zeigerpflanzen wie auch Brennnessel, Melde und Giersch auf einen stickstoffreichen Boden hin. Während der Huflattich (r.) selbst bei Staunässe auf verdichteten Böden gedeiht. Fotos: M.Großmann, berggeist007, beide pixelio.de

Die Wilde Möhre (l.) und der Mauerpfeffer haben sich auf stickstoffarme Böden spezialisiert. Für die Hundskamille (r.) stellen saure Böden kein Problem dar. Fotos: Rosel Eckstein, Bettina F, Günter Havlena, alle pixelio.de

2 Min. Lesedauer

Von Tommy Brumm, Natur- und Gartenzentrum Westsachsen der Schreberjugend

Unkräuter sind nicht unser Feind, und es ist ein Irrglaube, dass sie überall wachsen. Diese „Erstbesiedler“ sind von der Natur gut ausgestattet, aber auch sie haben bestimmte Vorlieben. Diese Vorlieben können uns sogar unterstützen, die Bodenqualität einzuschätzen – und dies ohne großen Aufwand. Die bekannte und hartnäckige Brennnessel deutet auf einen stickstoffreichen Boden hin, diesen Boden bevorzugen auch das Franzosenkraut, die Gartenwolfsmilch, der Giersch, das Hirtentäschel, die Melde, die Vogelmiere und einige mehr. Pflanzen, die Böden mit viel Stickstoff bevorzugen, nehmen auch viel Stickstoff in sich auf. Wir nutzen dies z.B. bei der Herstellung von Jauchen.
Eine weitere Zeigerpflanze für stickstoffhaltige Böden ist das Gemeine Geiskraut. Es ist ein Kraut am Rande, und ist leicht zu entfernen. Auch wenn seine Wurzeln bis zu 45 cm in den Boden vordringen, ist die Pflanze im Gegensatz zum Löwenzahn nicht in der Lage, sich nach dem Entfernen wieder zu regenerieren. Die Samen werden durch den Wind verbreitet (Schirmchenflieger) und verbreiten sich deshalb schnell und flächendeckend. Die Pflanze wird als giftig angesehen.
Trockene Böden werden von der Färberkamille, dem Kleinen Storchenschnabel, dem Mittleren Wegerich, dem Reiherschnabel und dem Sommer- Adonisrösschen bevorzugt. Auf nassen Böden gedeihen Ampfer, Kohldistel und Wiesenschaumkraut. Mit Staunässe und verdichteten Böden kommen Ackerminze, AckerSchachtelhalm, Breitwegerich, Gänsefingerkraut, Huflattich und Quecke zurecht. Spezialisiert auf stickstoffarme Böden haben sich Ackerfuchsschwanz, Mauerpfeffer, die Rauhaarige Wicke und die Wilde Möhre. Saurer Boden ist für den Kleinen Sauerampfer, den Hasenklee, die Hundskamille und die Ackerminze kein Problem.

Für einen sicheren Rückschluss reicht jedoch eine einzige Pflanze nicht aus, es müssen schon mehrere kräftige Exemplare vorkommen. Pflanzen haben nur sehr bedingt Einfluss auf den Ort, an dem ihr Samen keimt. Sie entwickeln sich auch auf Böden, welche für sie ungünstig sind, und reagieren meist mit einem kümmerlichen Wuchs. Diese Erkenntnis sollten wir auch bei der Wahl unserer
Nutzpflanzen einsetzen und ersparen uns somit so manche Enttäuschung.
Einige Verfechter der Permakultur arbeiten mit Wildkräutern zur Ergänzung der Kulturpflanzen. Dies kann bis zu einem bestimmten Grad recht nützlich sein, aber man sollte das Maß nicht aus dem Auge verlieren. Gegen eine kleine Brennnesselecke, um Jauchen herzustellen, ist natürlich nichts einzuwenden. Man sollte zum Ansetzen der Jauche im eigenen Interesse aber nur Pflanzen vor der Blüte verwenden – sonst sind die Brennnesseln schnell im gesamten Garten verbreitet.
Selbst einige Kulturpflanzen haben das Potenzial, sich zum Unkraut zu entwickeln! Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass sogar der „Echte Baldrian“ zum Unkraut „mutieren“ kann: Auf der 5. Sächsischen Landesgartenschau in Reichenbach/ Vogtland 2009 wurde der „Echte Baldrian“ in Teilen der Uferbepflanzung eingesetzt. Er breitete sich in den Folgejahren innerhalb kürzester Zeit über das gesamte Gelände aus und wird trotz aller Maßnahmen zur Eindämmung noch heute in vielen Randbereichen entdeckt. Und jedes Jahr startet er einen erneuten Versuch zur Eroberung des gesamten Geländes.

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